Im Gespräch: Karin Wiescholek, Moderatorin unseres neuen Lesekreises „Lesen bewegt!“

14. Juni 2026

Im Juli erweitern wir mit „Lesen bewegt!“ unser Angebot um etwas, das eigentlich zu einem Literaturhaus gehören sollte, wie die Butter zum Brot: Einen Lesekreis, offen für alle, die sich über Gelesenes austauschen möchten. Bisher scheiterte dies stets an unserer personellen Begrenzung. Dass es nun doch losgehen kann, verdanken wir Karin Wiescholek und ihrer Liebe zur Literatur. Wer sie ist, was sie dazu bewogen hat und wie sie sich „Lesen bewegt!“ vorstellt, hat sie uns in einem kurzen Interview erzählt.

Literaturhaus: Liebe Karin, erst einmal möchten wir dir herzlich danken, dass du nicht nur mit der Idee für einen Lesekreis auf uns zugekommen bist, sondern auch mit der Bereitschaft ihn zu organisieren. Für einen personell klein besetzten Verein wie unseren ein Megaangebot, das wir nur zu gern annehmen.

Karin Wiescholek: Den Dank möchte ich gerne an euch zurückgeben. Ich war ursprünglich nur auf der Suche nach einem Lesekreis dem ich mich anschließen kann, und habe mich im Netz auf die Suche gemacht. So bin ich auf eure Seite gestoßen. Es begann mit einer simplen Anfrage an euch und einer Antwort von Matthias Rürup. Im Austausch mit ihm entwickelte sich dann die Idee, die mich nicht mehr losgelassen hat.

Literaturhaus: 
Bevor wir über deine Idee sprechen, erzähl uns doch bitte ein bisschen über dich und deine Beweggründe. Hast du beruflich mit Literatur zu tun?

Karin Wiescholek: Beruflich gibt es keine Berührungspunkte, in der Finanzbuchhaltung jongliere ich mehr mit Zahlen als Worten. Die Liebe zur Literatur ist rein privat, vielleicht ja der logische Gegenpart zum Job. Oder auch meiner Herkunft.
Geboren bin ich in Bremen, also Hanseatin und echtes Nordlicht, denen man nachsagt, sie seien sehr direkt und dröge. In Wuppertal lebe durch einen beruflichen Wechsel, seit 2012. Geblieben bin ich dann der Liebe wegen, auch wenn es micht immer wieder an die Nordsee zieht.

Literaturhaus: Was bedeutet Lesen/Literatur dir?

Karin Wiescholek: Literatur, was man mit Worten gestalten kann und wie vielfältig wir uns mit Worten ausdrücken können, das hat mich schon immer fasziniert. Dabei muss es nicht immer die Sprache der Gelehrten sein. Worte spiegeln ja die gesamte Kultur eines Volkes wider, aller Schichten und Lebensrealitäten. Je nach Land, Ort und Gebiet auch Dialekte. Für mich haben Literatur und Worte Kraft und können viel bewegen. Ich kann mir eine Welt ohne Literatur nicht vorstellen.

Literaturhaus: Warum möchtest du über Literatur reden?

Karin Wiescholek: Beim Lesen bin ich ja erst Mal alleine mit mir und dem Buch. Wenn mich ein Buch mitnimmt, oder auch nicht, wenn ich die letzte Seite gelesen habe und das Buch zuklappe, bleibt ja etwas in mir. Ich gehöre zu den emotionalen Menschen, lesen bewegt mich oft sehr tief und/oder macht mich nachdenklich. So entstand auch der Titel der Veranstaltung „Lesen bewegt“. Aber wie lesen andere ein Buch? Was bleibt bei ihnen am Ende an Gedanken und Emotionen? Was verführt mich, ein Buch zu kaufen? Ist es das Thema oder schätze den/die Autor:in generell? Darüber möchte ich mich gern austauschen.

Literaturhaus: Hast du schon mal einen Lesekreis besucht?

Karin Wiescholek: Bisher noch nicht. Früher, zu Zeiten Marcel Reich-Ranickis, habe ich oft „Das literarische Quartett“ verfolgt. Auch heute verfolge ich Sendungen und Podcasts, in denen man über Literatur/Bücher diskutiert oder Buchempfehlungen gibt. Und oft ertappe ich mich dabei, selber etwas sagen zu wollen 🙂

Literaturhaus: Welches Genre oder welche Genres bevorzugst du und wo liest du am liebsten?
Karin Wiescholek: Ich lese am liebsten Belletristik in Form von Gegenwartsliteratur. Romane, die mich im besten Fall mitnehmen auf eine Reise, die mich aus dem Alltag trägt. Ob es ein Roman über die Liebe ist, eine Familiengeschichte, ein biographischer Roman oder auch ein spannender Thriller. Es darf abwechslungsreich sein. Der perfekte Ort zum Lesen ist für mich am Strand mit Blick auf die Nordsee. Aber generell lese ich einfach gerne, zu Hause, im Café, in der Natur oder auf dem Balkon.

Literaturhaus: Und wie sollen die Treffen nun ablaufen?

Karin Wiescholek: Zum Ablauf kann ich noch gar nicht so viel sagen. Mir ist wichtig, dass er sich entwickelt und von allen gemeinsam gestaltet wird. Ich möchte diesen Kreis nur insofern leiten und begleiten, wie es aus organisatorischen Gründen notwendig ist. Gestaltet werden soll er von den Teilnehmenden. Je mehr Ideen reinkommen, desto besser. Es geht ja gerade um unterschiedliche Ansätze und Lesarten, um ein „ach, so kann man das auch sehen“ oder „interessant, ist mir ganz anders gegangen“.
Treffen wollen wir uns alle acht Wochen im blauen Salon der Stadtbibliothek und dann über Bücher reden, die wir zuvor gemeinsam ausgesucht und in der Zwischenzeit gelesen haben. Immer am ersten Mittwoch eines ungeraden Monats, los geht’s am 1. Juli. Wer mitgestalten, mitlesen und mitreden möchte, sollte einfach aktiv dabei sein.

Literaturhaus: Warum in der Stadtbibliothek und nicht einfach irgendwo in einer Kneipe?

Karin Wiescholek: Das ist eine rein emotionale Entscheidung. Ich liebe Bücher, mag das herkömmliche Buch, dass ich in der Hand halten kann, mag den Geruch von Büchern. Die Bibliothek verbindet Menschen mit der Liebe zum Lesen. Was kann da treffender sein, als die Bibliothek? Die Kneipe erfüllt eher einen sozialen und anderen Zweck.
Ich freue mich auf alle, die dabei sein möchten und hoffe auf eine ebenso vielfältige wie langlebige Reise durch die Literaturwelt.

Literaturhaus: Wir wünschen dir auf jeden Fall viel Erfolg dabei und freuen uns, mit „Lesen bewegt!“ eine echte Angebotslücke schließen zu können.