Der Verein

Der Verein "Literaturhaus Wuppertal e.V." hat eine Vorgeschichte.

Als Folge einer anfänglich vereinsintern ausgetragenen Kontroverse innerhalb der "Else Lasker-Schüler-Gesellschaft" (ELSG) gründete sich Ende 1997 zunächst ein neuer Verein mit dem Namen "Else Lasker-Schüler-Haus e.V." (ELSH). Einige der Initiatoren waren über Jahre selbst aktive Mitglieder der ELSG gewesen, hatten den Verein sogar mitgegründet und ihm lange als Vorstandsmitglieder angehört. Zum Gründungsvorstand des neuen Vereins zählten u.a. die Kulturjournalisten Anne Linsel (1. Vorsitzende) und Stefan Koldehoff, die Leiterin des Kulturbüros Wuppertal Monika Bistram, der Rechtsanwalt Dietrich Böttcher, der Künstler Peter Schmitz (†) und die Bühnenbildnerin Hanna Jordan.

Ein erstes provisorisches Dach über dem Kopf fand der Verein im sogenannten Soppschen Pavillon neben dem Schauspielhaus. Schon bald gelang es dem jungen Verein, mit interessanten Veranstaltungen auf sich aufmerksam zu machen, z.B. mit einer wunderbaren Lesung Andrzej Szczypiorskis im Von der Heydt-Museum, einer Hommage an den damals noch unbekannten ungarischen Romancier Sándor Márai in der Stadtbibliothek, einer Kafka-Ausstellung in der Stadtsparkassenzentrale, mit Lesungen von Judith Kuckart und Emine Sevgi Özdamar. Ein herausragendes Ereignis war die Wuppertaler Erstaufführung des Films "Mein Herz" von Helma-Sanders über das komplizierte Liebesverhältnis zwischen Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn.

Seit April 2000 verfügt der Verein im "Haspel-Haus" Nr. 83 an der Friedrich-Engels-Allee in Unterbarmen zum ersten Mal über einen festen Ort für Lesungen, Vorträge, Werkstattgespräche und andere literarisch-künstlerische Veranstaltungen. Den Einzug feierte man ganztägig mit Lesungen von Autorinnen und Autoren aus Wuppertal. Für den neuen Literatur-Ort etablierte sich in der Öffentlichkeit schnell die Bezeichnung "Else Lasker-Schüler-Haus", allerdings sehr zum Ärger der einen oder anderen.

Viele Veranstaltungen hat der Verein seitdem ausgerichtet, alleine oder in Kooperation mit anderen, z.B. der Stadtbibliothek, den Wuppertaler Bühnen, der Bergischen Universität, den Buchhandlungen Nettesheim und Köndgen, der Armin-T.-Wegner-Gesellschaft, dem Von der Heydt-Museum, der Kirche in der City, dem NRW KULTURsekretariat, dem Kulturbüro, der Begegnungsstätte Alte Synagoge, der Internationalen Alfred-Döblin-Gesellschaft, der GEDOK, dem Trägerverein Immanuelskirche e.V. Die Liste der Gäste, die bislang gelesen, vorgetragen, musiziert oder erzählt haben ist lang. Prominente sind darunter und Musiker, literarische Debütanten, arrivierte Autoren und Autorinnen aus Deutschland und Europa, Regisseure und Intendanten und immer wieder auch Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die aus Wuppertal oder der Region stammen: Carola Stern, Cornelia Froboess, Ingrid Noll, Barbara Nüsse, Mechthild Grossmann, Anna Badora, Michael Gruner, Darius Muszer, Dušan Šimko, Michael Zeller, Hermann Schulz, Karl Otto Mühl, Jörg Aufenanger, Marc Petit, Bettina Rosky, Lavinia Korte, Ulrich Land, Hans Werner Otto, Christiane Gibiec, Prof. Dr. Joseph Anton Kruse, Dr. Uwe Eckardt, Dr. Christian Esch, Gerlind Reinshagen, Dr. Avram-Andrei Balenanu, Michael Kumpfmüller, Erasmus Schöfer, Eugen Gomringer, Hansgünther Heyme, Fritz Beer, Antanas Jonynas, Barbara Köhler, Lutz Seiler, Sascha Icks, Toshiyuki Kamioka, Eugen Egner und viele andere.

Im Januar 2005 hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung die Umbenennung des Vereins "Else Lasker-Schüler-Haus e.V." in "Literaturhaus Wuppertal e.V." beschlossen. Die gewachsene programmatische Vielfalt sollte so auch im Vereinsnamen zum Ausdruck kommen und hinderliche Verwechslungen mit der ELSG vermieden werden. Zugleich sollte noch stärker der Anspruch des Vereins dokumentiert werden, für Wuppertal einen lebendigen Ort der Vermittlung von Literatur und der Diskussion über Literatur zu schaffen. Natürlich können wir uns als ausschließlich ehrenamtlich aktiver Verein nicht mit den von Verlagen und Kommunen üppig geförderten Literaturhäusern in anderen Städten messen. Das anspruchsvolle und vielfältige Programm, das wir in den letzten Jahren mit eigener Kraft oder mit Partnern realisiert haben, unterstreicht aber, dass das "Literaturhaus Wuppertal" inzwischen zu einem unentbehrlichen Kulturort in unserer Stadt geworden ist.